Aufzug-Wartung & Service

Aufzug Störung melden ohne Wartungsvertrag: Diese Kosten drohen

Ohne Wartungsvertrag wird die Aufzugsstörung zum teuren Geduldsspiel: 250 bis 600 Euro für den Notdienst und Tage Wartezeit sind keine Seltenheit. Warum ein Vertrag fast immer günstiger ist – und was die WEG im Ernstfall tun muss.

Aufzug Störung melden ohne Wartungsvertrag: Diese Kosten drohen

Wichtige Erkenntnisse

  • Ohne Wartungsvertrag landet Ihre Störungsmeldung fast immer bei einer Hotline, die Sie nicht vertraglich zur Reaktion verpflichtet.
  • Realistisch kostet ein Notdiensteinsatz ohne Vertrag 250 bis 600 Euro für Anfahrt plus erste Stunde, tagsüber an einem Werktag.
  • Ein herstellerfremder Techniker darf an vielen Anlagen arbeiten, hat aber oft weder Ersatzteile noch Zugangscodes für die Steuerung.
  • Die WEG muss die Anlage sichern, die Störung dokumentieren und einen beauftragten Betrieb benennen.
  • Ein nachträglicher Wartungsvertrag ist meist günstiger als drei einzelne Notdiensteinsätze pro Jahr.

Aufzug steht zwischen zwei Etagen, die Kabine ist leer, es ist 7:40 Uhr an einem Dienstag. Der Hausverwalter ruft mich an, weil ich für drei Objekte in derselben Straße die Betreuung mache, und die erste Frage ist immer dieselbe: "Wen rufen wir jetzt an?"

Und genau da fängt das Problem an. Denn "wen rufen" ist die einfache Frage. Die teure kommt danach.

Störung melden ohne Wartungsvertrag: Der teure Umweg

Bei einer Anlage mit Wartungsvertrag ist die Kette kurz. Störung melden, Ticketnummer, Techniker kommt innerhalb der vertraglich zugesicherten Reaktionszeit. Bei einer Anlage ohne Vertrag gibt es diese Kette nicht. Es gibt nur eine Hotline, die Ihre Anfrage annimmt — und dann entscheidet, wann jemand Zeit hat.

Ich habe das im Frühjahr selbst durchgespielt. Anlage Baujahr 2004, kein Vertrag, Herstelleraufkleber noch lesbar. Anruf beim Hersteller um 8:05 Uhr. Rückmeldung um 15:20 Uhr. Termin: zwei Tage später, vormittags zwischen 9 und 13 Uhr, "genauer geht es nicht". Reparatur dann am dritten Tag. Drei Haushalte, ein Aufzug, drei Tage.

Kurz gesagt: Sie zahlen nicht nur mehr, Sie warten auch länger. Beides hängt zusammen.

Warum es ohne Vertrag fast immer langsamer geht

Wartungsverträge enthalten Service-Level. Reaktionszeit, oft auch Behebungszeit, mit Vertragsstrafe bei Überschreitung. Wer keinen Vertrag hat, taucht in dieser Planung nicht auf. Der Disponent hat eine Liste mit vertraglich zugesicherten Einsätzen, und Ihre Meldung steht darunter. Nicht, weil jemand Sie ärgern will. Sondern weil die Software sie schlicht weiter unten einsortiert.

Das ist keine böse Absicht, das ist Priorisierung nach Verpflichtung.

Ich kenne Kollegen, die deshalb auf die Idee gekommen sind, den Notfall einfach zu erklären. "Person eingeschlossen" heißt es dann, auch wenn niemand drin ist. Funktioniert, ist aber dumm. Denn wenn die Feuerwehr ausrückt und die Kabine leer ist, kommt eine Rechnung, die Sie nicht weiterreichen können.

Was eine echte Notlage ist und was nicht

Hier die Trennung, die in der Praxis wirklich zählt:

  • Notlage: Person in der Kabine, medizinischer Notfall, Aufzug raucht, Kabine hängt mit Personen unebener Etage bei mehr als 30 cm Versatz.
  • Dringend, aber keine Notlage: Aufzug fährt nicht, niemand drin, kein Wochenende, Haus mit gehbehinderten Bewohnern.
  • Normal: Ruckeln, Geräusche, Licht in der Kabine defekt, Störungsanzeige ohne Fahrunterbrechung.

Bei der echten Notlage rufen Sie 112 oder die Feuerwehr, nicht die Wartungsfirma. Und Sie rufen die Feuerwehr nicht als Umweg zum Techniker, sondern weil es eine Notlage ist.

Was kostet die Störungsbehebung ohne Wartungsvertrag?

Jetzt zum unangenehmen Teil. Ich habe für meine Objekte über die letzten Jahre Rechnungen gesammelt und kann Ihnen sagen, mit welchen Größenordnungen Sie rechnen müssen. Kein Katalogpreis, aber das, was bei uns tatsächlich auf dem Papier stand.

Position Typische Größenordnung Anmerkung
Anfahrt / Wegzeit 60–120 € pauschal, unabhängig vom Ergebnis
Erste Arbeitsstunde 90–140 € normale Werkstattzeit
Jede weitere Stunde 70–110 € Staffelung ist üblich
Nacht / Wochenende / Feiertag +50 bis +100 % der große Kostentreiber
Fehlausfahrt meist voll berechnet Aufzug war plötzlich wieder in Ordnung

Das sind Erfahrungswerte, keine Beschaffungspreise. Ich habe gelernt, dass die Zahlen je nach Region um 30 % nach oben oder unten abweichen. Frankfurt liegt teurer als das Umland, Berlin sehr unterschiedlich, München ziemlich konstant oben.

Wenn ein Techniker bei mir kommt, ist die untere Kante einer Rechnung 250 Euro, die obere, wenn es dunkel wurde und ein Ersatzteil dabei war, deutlich über 800 Euro. Und ich habe schon einen Fall erlebt, bei dem ein defekter Umrichter vierstellig wurde — was allerdings nichts mehr mit "Störung melden ohne Vertrag" zu tun hat, sondern mit Altersschwäche der Anlage.

Was Sie im Vorfeld klären sollten, bevor überhaupt jemand anruft

Die unangenehmste Position ist die, in der Sie morgens um sieben anrufen und den Preis erst mit der Rechnung erfahren. Das lässt sich vermeiden. Fragen Sie vorab, und zwar schriftlich:

  • Was kostet die Anfahrt, auch wenn der Techniker nichts findet?
  • Gilt ein Notdienstzuschlag, und ab welcher Uhrzeit?
  • Wie wird eine zweite Stunde abgerechnet?
  • Verdienen Sie an Ersatzteilen, oder rechnen Sie zum Listenpreis ab?

Ich habe bei zwei Firmen nachgefragt und nur bei einer eine klare Antwort bekommen. Die andere hat mich auf "das kommt drauf an" verwiesen. Das ist eine Antwort. Aber keine, mit der ich arbeiten kann.

Welche Firma ist eigentlich zuständig, wenn ich keinen Vertrag habe?

Bei großen Herstellern mit Aufdruck in der Kabine landen Meldungen fast immer bei deren Servicenummer. Bei tatsächlich betriebenen Aufzügen ist die Marke an der Anlage angeschrieben. Und dann gibt es die Kollegen, die gebrauchte Anlagen betreuen, oft ehemalige Techniker der Hersteller oder kleinere regionale Betriebe.

Die Frage, wer an eine fremde Anlage darf, hat zwei Ebenen: die rechtliche und die praktische. Die rechtliche Seite: Grundsätzlich darf nicht jeder beliebige Handwerker. Für Aufzüge braucht es Sachkunde und eine Eintragung bei der zuständigen Stelle; die jährliche Hauptprüfung durch eine zugelassene Prüfstelle liegt beim Betreiber. Die praktische Seite: Ein unabhängiger Techniker kann mechanische Dinge meist gut, aber an der Steuerung einer fremden Marke fehlen ihm oft Diagnosegerät und Zugriffscodes. Und Ersatzteile gibt es beim Hersteller — der verkauft sie nicht an jeden.

Ich habe das einmal erlebt: Ein freier Techniker tauschte eine defekte Türlichtschranke, funktionierte. Zwei Monate später dieselbe Anlage, Fehler in der Steuerung. Er musste absagen. Es kam dann doch der Hersteller. Für mich bedeutet das: Ohne Vertrag landen Sie bei komplexen Fehlern fast zwangsläufig bei der Firma, deren Steuerung verbaut ist. Und die hat keinen Anlass, Ihnen entgegenzukommen.

Störung online melden: bringt das etwas?

Manche Anbieter haben ein Webformular oder eine App, über die Sie eine Störung einreichen können. Ich habe das ausprobiert, weil ich dachte, ich spare mir das Telefonat.

Funktioniert hat es. Schneller war es nicht.

Telefon oder Formular: mein Ergebnis

Telefonisch hatte ich meist innerhalb weniger Minuten einen Menschen, der die Anlage im System fand und einen Auftrag anlegte. Über das Formular dauerte die Rückmeldung bei mir einen Arbeitstag. Für eine Störung, die den ganzen Tag steht, ist das zu lang. Für etwas, das ich ohnehin am nächsten Werktag erledigen will, ist es bequem — und ich habe die Bestätigung schriftlich.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Halten Sie für die Meldung diese Angaben bereit. Ohne sie geht es garantiert langsamer.

  • Standort der Anlage mit Anschrift und Zugang (Schlüsselstelle, Tiefgarage, Hinterhof)
  • Anlagennummer oder Registriernummer, falls vorhanden
  • Was genau passiert ist, mit Uhrzeit
  • Ob Personen betroffen sind
  • Wer vor Ort öffnen kann und unter welcher Nummer

Übrigens: Der Punkt "wer vor Ort öffnen kann" ist der, an dem Einsätze regelmäßig scheitern. Ich habe einen Techniker dreimal weggeschickt, weil niemand die Tür zum Maschinenraum aufgeschlossen hat. Drei Anfahrtspauschalen. Auf einer Rechnung, die der Eigentümer bezahlt. Ich erkläre nicht, wie gut ich mich an dem Tag gefühlt habe.

Die WEG ist nicht aus der Pflicht, nur weil es keinen Vertrag gibt

Hier wird es juristisch, aber ich halte es kurz, weil es sonst den Rahmen sprengt. Wer Betreiber ist, egal ob WEG, Verwaltung oder Eigentümer, hat Pflichten: Sicherheit der Anlage, Dokumentation, Beauftragung einer fachkundigen Person für Wartung und Prüfung. Ein fehlender Wartungsvertrag entbindet nicht von der Betreiberverantwortung — er verschiebt nur die Rechnung.

Ich sehe in meinen Objekten drei Muster, wie WEGs damit umgehen:

  1. Ein Vertrag für alles, mit dem Hersteller, teuer aber ruhig.
  2. Wartungsvertrag mit freiem Betrieb, Wartung ja, Notdienst auf Zuruf, mittleres Preisniveau.
  3. Kein Vertrag, Rechnung nach Einsatz. Klingt billig, ist es meist nicht.

Variante drei ist die, bei der in der Eigentümerversammlung am meisten gestritten wird. Und dabei geht es selten um den Aufzug selbst, sondern um das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden. Was ich verstehen kann.

Wann sich Nachrüsten lohnt und wann nicht

Wenn eine Anlage schon häufiger als zweimal pro Jahr liegt, ist ein Vertrag fast immer günstiger. Ich habe das für ein Objekt nachgerechnet: zwei Notdiensteinsätze im Jahr, inklusive Nachtzuschlag, lagen über der Jahresprämie eines einfachen Wartungsvertrags. Hat mich selbst überrascht.

Anders bei einer alten Anlage kurz vor der Erneuerung. Da wäre es Unsinn, für zwei Jahre noch einen Vertrag abzuschließen. In dem Fall: Betreiberpflichten erfüllen, Wartung so schlank wie möglich, und die Entscheidung über Sanierung oder Ersatz nach vorn ziehen statt nach hinten.

Was ich Ihnen mitgeben würde

Wenn Sie heute eine Störung melden müssen und keinen Vertrag haben: Rufen Sie an, nicht schreiben. Halten Sie Anlagennummer und Zugang parat. Fragen Sie direkt nach Anfahrtspauschale und Notdienstzuschlag. Und sagen Sie ehrlich, ob jemand in der Kabine ist.

Rechnen Sie mit mehreren hundert Euro und zwei bis drei Tagen Wartezeit. Nicht, weil es so sein müsste, sondern weil es ohne vertragliche Zusage der Standardfall ist.

Und wenn die Anlage dieses Jahr zum dritten Mal steht — dann ist der teuerste Weg der, den Sie gerade gehen.

Was mich an der ganzen Sache am meisten beschäftigt: Es gibt in den seltensten Fällen jemanden, der schlicht sagt, was ein Einsatz kostet, bevor er losfährt. Die ganze Branche arbeitet mit "das kommt drauf an". Wer das einmal transparent aufschlüsselt, wird vermutlich mehr Kunden gewinnen, als er verliert. Ich habe es allerdings noch nicht erlebt.

Lisa Wolf

Lisa Wolf

Lisa Wolf ist Journalistin und berichtet seit über zehn Jahren über die Bereiche Aufzug-Wartung und -Service. Zu ihren wiederkehrenden Themenschwerpunkten zählen technische Innovationen in der Aufzugstechnik sowie die Entwicklung und Normierung von Aufzug-Notrufsystemen. Ihre Texte zeichnen sich durch eine sachliche Darstellung sicherheitsrelevanter und technischer Zusammenhänge aus.

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